
Muss ich die Freunde meines Partners mögen? Was tun, wenn Du eine Person aus dem ständig präsenten Freundeskreis deines Partners überhaupt nicht magst?
Wenn man sich in einer Partnerschaft befindet, hat man es unweigerlich irgendwann mal mit den Freunden/ Freundinnen des Partners zu tun.
Aber muss man diese Menschen automatisch auch mögen? Müssen geht ja gar nicht – ob Du jemanden magst oder nicht, kannst Du letztendlich einfach nur feststellen.
Aber nicht beeinflussen.
Ist es denn erstrebenswert, sich mit den Freunden/Freundinnen des Partners auch anzufreunden? Freundschaft kann man ja nicht erzwingen.
Sich wirklich mit jemandem anzufreunden, ist für die meisten Menschen sowieso etwas besonderes. Etwas, das nicht am laufenden Band im Leben passiert. Sondern etwas, das meist über einen längeren Zeitraum hinweg entsteht – eigentlich ähnlich, wie bei einer Liebesbeziehung.
Dass also so eine richtig tiefe, enge Freundschaft mit einem/einer der Freunde oder Freundinnen des Partners entsteht, ist also per se schon mal eher unwahrscheinlich.
Falls es passiert, kann dieses Szenario sehr schöne Aspekte haben und auch die Partnerschaft festigen. Auf der anderen Seite birgt eine enge Freundschaft mit einer Freundin/ einem Freund des Partners wiederum jede Menge Explosions- und Konfliktgefahr. Zum Beispiel, wenn der Partner dann eifersüchtig wird oder sich ausgeschlossen fühlt.
Meistens höre ich von Paaren, dass es auch mal Treffen und gemeinsame Unternehmungen mit den Freunden und Freundinnen des Partners/ der Partnerin gibt und dies als durchaus bereichernd und nett empfunden wird.
Vielleicht ist das ja auch bei Dir der Fall. Logisch, dass Du nicht JEDE Person aus dem Freundeskreis deines Partners gleich doll magst.
Was aber, wenn du eine Person so gar nicht magst? Aus welchen Gründen auch immer. Es ist ja völlig legitim und normal, Menschen sympathisch oder unsympathisch zu finden.
Oft hat man vorher schon das ein oder andere vom Partner über diese Person gehört und hat schon vor der ersten Begegnung ein bisschen ein Gefühl dafür, ob man diese Person sympathisch findet oder nicht. Spätestens nach ein paar Begegnungen weiß man Bescheid. Kann eben auch sein, dass Du die Person richtig doof findest.
Und daraus wird dann meistens auch kein Hehl gemacht, oder?
Dies ist in der Regel für Männer auch nicht so sehr ein Problem, wenn die Partnerin jemanden aus seinem Freundeskreis nicht so mag. Männerfreundschaften sind meiner Erfahrung nach in vielerlei Hinsicht etwas anders als Frauenfreundschaften.
Für ihn ist es also nicht so sehr belastend oder kränkend, wenn Du einen Freund oder eine Freundin von ihm nicht magst.
Aber für Dich ist es ein verdammtes Problem. Richtig?
Lass‘ uns mal genauer hinschauen. Es ist ja noch ein Unterschied, ob es sich um eine Freundin oder einen Freund handelt.
Wenn es um eine Freundin geht, ist der Faktor Eifersucht sicherlich nicht zu unterschätzen. Meist geht es da gar nicht darum, dass vermutet wird, dass da was zwischen dem Partner und seiner Kumpel-Freundin läuft. Sondern es geht vielmehr um Zeit, Aufmerksamkeit, Vertrautheit, die die Kumpeline anstatt der Partnerin bekommt.
Falls Dein Partner eine solche Freundin hat, möchtest Du höchstwahrscheinlich, dass er
1. mehr Zeit mit DIR verbringen möchte!
2. DICH vorrangig ins Vertrauen zieht!
3. DIR seine Aufmerksamtkeit schenkt!
Anstatt der doofen Freundin all dies zukommen zu lassen 🙂
Das Schlimmste, das Du allerdings dann tun kannst, ist zu meckern, ihm Vorwürfe deswegen zu machen und gekränkt sein. Dies ist zwar menschlich und auch verständlich. Es bewirkt aber leider genau DAS GEGENTEIL von dem, was Du möchtest.
Was kannst Du also konkret tun?
Das einzige, was hilft ist: attraktiver für ihn für all das sein.
1. Attraktiver für ihn, mehr Zeit mit Dir zu verbringen, indem Du:
„nice to be with“ bist. Gut gelaunt, gechillt, lustig. Dein bestes Selbst.
Das sollte eh für Dich selbst Dein Ziel sein 🙂
2. Attraktiver für ihn, Dich ins Vertrauen zu ziehen, indem Du:
ihm gut zuhörst und ihn nicht verurteilst, was auch immer er Dir erzählt.
Du ihm ein kluges und liebevolles, aber auch ehrliches Gegenüber bist, deren Meinung ihn interessiert. Frag ihn „möchtest Du meine ehrliche Meinung dazu hören?“ bevor Du ihm diese sagst.
3. Attraktiver für ihn, Zeit mit Dir zu verbringen, indem Du:
Punkt 1 + 2 hinkriegst plus selbst Ideen und Pläne hast, die Du, wenn er nicht kann/ will, auch ohne ihn verwirklichst. Wenn er mitbekommt, dass er etwas verpasst wenn er nicht bei Dir ist, ist das der beste Weg, einer „Zeit – und Aufmerksamkeits“-Konkurrentin genau dies mehr von ihr zu Dir zu verlagern.
Ok, und wie verhalte ich mich der Person selbst gegenüber, wenn ich sie einfach nicht mag?
Hier ist hilfreich, eher unnahbar, aber freundlich zu sein.
Was bedeutet unnahbar?
● Du erzählst so wenig wie möglich private Dinge im Beisein der Person
● Du bittest Deinen Partner, der Person möglichst wenig über Dich zu erzählen
● Du vermeidest, in Diskussionen oder überhaupt längere Gespräche mit der Person zu geraten
Dafür ist hilfreich, Dir vor Begegnungen mit der Person nochmal Deine Haltung bewusst zu machen. Du kannst auch eine kleine Visualisierung nutzen, um diese Haltung in einem Symbol zu verankern.
Eine Klientin von mir hat hierfür zum Beispiel eine rote Schere genommen. Diese rote Schere symbolisierte für sie folgendes:
● in Momenten, in denen sie mit der Person in ein unangenehmes Gespräch gerät, schneidet sie das Gespräch, freundlich aber sauber, ab.
● die rote Farbe steht für die Liebe zu ihrerm Partner. Sie ist freundlich zu der Person, weil sie die Partnerschaft nicht belasten möchte.
Diese Haltung stellt also eine Balance dar zwischen DEINEN zwei Interessen
1. so wenig Kontakt wie möglich mit der Person
2. beim Partner punkten bzw. Partnerschaft nicht belasten
Wäre doch auch echt nicht cool, wenn Du einer unliebsamen Person so viel Raum und Energie zu gibst, dass es Deine Partnerschaft belastet, oder?
Wäre die Konfrontation, der Beef, der ganze Nerv es wert?
Nein. Du bist also nicht freundlich zu der doofen Person, weil die das verdient hat. Sondern weil Du Deine Partnerschaft schützen und pflegen möchtest.
Weil das das Wichtigste ist für Dich.
Im nachfolgenden Fall von Roland (56) und Nicole (54), hat Roland diesen Punkt entweder
● nicht auf dem Schirm gehabt
● als nicht wichtig genug eingestuft
● ihn zwar beachtet, sich aber entschieden die negativen Folgen in Kauf zu nehmen
Denn Roland hat dem unliebsamen gemeinsamen Freund Peter die Freundschaft gekündigt. Und ihn daraufhin auch noch geghostet. Er war zu keinem weiteren Gespräch oder auch nur einer Erklärung bereit.
Die möglichen Gründe, warum Roland mit Peter Schluss gemacht hat, erläutere ich in der Sprachnachricht, die Du unten anklicken und anhören kannst.
Der Fall stammt nicht aus meiner Praxis, sondern er wurde mir von Franka berichtet.
Franka hat eine Kolumne in der FR7, dem Wochenend-Magazin der Frankfurter Rundschau. Sie beantwortet dort Fragen rund um das Leben. Wenn sie Fragen bezüglich der Liebe und Partnerschaften bekommt, wendet sie sich schon mal an mich. Auch bei diesem Fall von Nicole und ihrem Mann Roland hat sie mich um meinen paartherapeutischen Blick darauf gebeten.
Was wissen wir über den Fall?
Roland und seine Partnerin Nicole (Paar B) waren jahrzehntelang mit Susi und Peter (Paar A) befreundet. Es wurden gemeinsame Urlaube verbracht, bei Geburtstagsfeiern und anderen Feierlichkeiten waren Susi und Peter dabei.
Roland hat dann irgendwann mit Peter „Schluss gemacht“. Bei einem Bier unter Männern. Was bei diesem Bier genau gesagt wurde, wissen wir leider nicht.
Peter kam aber wohl verstört davon nach Hause und Nachfragen bei Roland liefen ins Leere. Nicole leidet unter der nun entstandenen Situation, da sie noch weiterhin mit Susi befreundet ist. Deshalb hat sie an Franka geschrieben und Franka hat ihr geantwortet, nachdem Franka mich noch dazu befragt hatte. Allerdings hat sie nur einen kleinen Teil meiner Gedanken in den Text einfügen können.
Deshalb exklusiv für Dich hier:
1. Die Kolumne aus der FR7: 7 Sachen „Wie gehe ich mit einer einseitig beendeten Freundschaft um?“ Hier PDF öffnen
2. Meine komplette Original-Sprachnachricht (Dauer ca. 10 Min) die ich Franka zu dem Fall geschickt hatte:
