Wie Wildflowering das Dating wieder menschlich machen will

Die De-Eskalation des Kennenlernens: Warum die Wildflowering-Bewegung die Kapitulation vor dem Optimierungswahn der Dating-Konzerne darstellt.
Angesichts einer Frustration im digitalen Dating-Markt etabliert sich mit dem sogenannten Wildflowering ein neuer Beziehungsansatz. Das von der bekannten Dating-Expertin Shan Boodram und der Beziehungsberaterin Susan Trombetti beschriebene Phänomen propagiert den bewussten Verzicht auf starre Beziehungs-Meilensteine und traditionelle Erwartungshaltungen beim Kennenlernen. Singles lassen Kontakte absichtlich völlig frei wachsen, ohne von Anfang an zu prüfen, ob das Gegenüber als potenzieller Ehepartner taugt, um den enormen psychischen Druck des algorithmischen »Perfect Match« abzubauen.
Nach einer aktuellen Studie des Kinsey-Instituts berichten rund 78 Prozent der Nutzer von Dating-Apps von akutem Burnout, wobei 61 Prozent der Generation Z bereits nach drei Monaten kontinuierlicher Nutzung an eine psychische Belastungsgrenze stoßen. Um dieser Dating Fatigue entgegenzuwirken, versuchen Plattformen wie Tinder mit dem Anfang Juni gelaunchten Astrology Mode und dem Trend zur Chalance (entspannte Aufrichtigkeit) und Bumble mit seiner Bumble 2.0-Initiative inklusive der KI-Assistentin Bee, den Druck aus den Interaktionen zu nehmen, während laut der Kinsey-Studie 90,24 Prozent der 18- bis 27-Jährigen das Kennenlernen im echten Leben bevorzugen.